Modul 1: Was KI ist und was nicht
Worum es geht
Sie nutzen wahrscheinlich schon KI, auch wenn Sie es nicht so nennen. Dieses Modul zeigt, wo KI im Betrieb steckt und wie sie grundsätzlich arbeitet. Wer das versteht, versteht auch, warum sie manchmal so überzeugend danebenliegt.
Wo KI heute steckt
- Chat-Assistenten: ChatGPT, Microsoft Copilot, Google Gemini, Claude. Sie schreiben Texte, fassen zusammen, übersetzen, beantworten Fragen.
- Eingebaut in Software: Buchhaltungsprogramme erkennen Belege und schlagen Buchungen vor. Kanzlei- und Praxissoftware bietet Diktat und Zusammenfassungen. Office-Pakete formulieren E-Mails. Besprechungstools schreiben Protokolle.
- Übersetzer und Korrektur: DeepL, Grammarly, LanguageTool.
- Bilder und Design: Canva, Adobe Firefly, Midjourney erzeugen und bearbeiten Bilder.
- Kundenkontakt: Chatbots auf Websites, automatische Antwortvorschläge im E-Mail-Programm.
Faustregel: Wenn ein Programm aus Ihrer Eingabe neue Inhalte, Vorschläge oder Entscheidungen erzeugt, statt nur Daten zu speichern und anzuzeigen, ist wahrscheinlich KI im Spiel.
Wie ein Sprachmodell arbeitet
Ein Chat-Assistent versteht Ihre Frage nicht so wie ein Mensch. Er hat aus riesigen Textmengen gelernt, welche Wörter mit welcher Wahrscheinlichkeit aufeinander folgen. Aus Ihrer Eingabe berechnet er die wahrscheinlichste Fortsetzung, Wort für Wort. Das Ergebnis klingt flüssig und kompetent, weil das System genau darauf trainiert ist: überzeugend zu formulieren.
Drei Folgen daraus:
- Das System kennt keine Wahrheit, nur Wahrscheinlichkeit. Es kann Fakten, Zahlen, Zitate und Paragraphen erfinden, die richtig klingen. Man nennt das Halluzination.
- Es weiß nicht, was es nicht weiß. Ein Sprachmodell antwortet auch dann selbstsicher, wenn es keine verlässliche Grundlage hat.
- Es lernt aus dem, was es bekommt. Was Sie eingeben, kann je nach Anbieter und Vertrag gespeichert und für das Training verwendet werden.
Beispiele aus dem Arbeitsalltag
Büro: Sie lassen Copilot eine Antwort an einen Lieferanten formulieren. Der Text ist gut, aber das genannte Lieferdatum hat das System aus einer alten Mail übernommen. Lesen und prüfen bleibt Ihre Aufgabe.
Beratung, Kanzlei: Ein Assistent nennt eine Entscheidung eines Gerichts mit Aktenzeichen. Das Aktenzeichen existiert nicht. Solche erfundenen Quellen sind in der Praxis dokumentiert und haben schon zu Sanktionen gegen Anwälte geführt.
Praxis: Die Diktatfunktion schreibt „Patient nimmt kein Medikament“ statt „Patient nimmt ein Medikament“. Ein Wort, ein anderer Sinn. Diktate werden gegengelesen.
Handwerk: Die Angebotssoftware schlägt Positionen vor. Sie passen zum letzten Auftrag, nicht zu diesem. Vorschläge sind Vorschläge.
Was Sie mitnehmen
- KI steckt in vielen Programmen, nicht nur in Chat-Assistenten.
- Sprachmodelle berechnen wahrscheinliche Texte, sie prüfen keine Fakten.
- Was Sie eingeben, kann beim Anbieter landen. Das ist das Thema von Modul 3.