Verbrieft
Kursinhalt · Modul 6 · Version 2026-09

Branchenmodul: Agentur, Beratung, Dienstleistung

Kundenbriefings, Urheberrecht an KI-Inhalten, Kennzeichnung, Persönlichkeits- und Markenrechte. Was in Agenturen und Beratungen beim Einsatz von KI zusätzlich gilt.

Worum es geht

Agenturen und Beratungen leben von Texten, Bildern, Konzepten und Analysen. KI erzeugt genau das, schnell und in Masse. Die Fragen sind hier: Wem gehört das Ergebnis, was darf davon zum Kunden, was muss gekennzeichnet werden, und was passiert mit dem vertraulichen Briefing, das Sie in den Chat kopiert haben? Dieses Modul beantwortet das für den Alltag.

Wo KI in Agentur und Beratung steckt

  • Chat-Assistenten für Texte, Konzepte, Präsentationen, Zusammenfassungen, Recherche.
  • Bild-, Video- und Audio-KI (Midjourney, Firefly, Sora, Stimmgeneratoren) für Kampagnen und Social Media.
  • Design- und Office-Tools mit eingebauten KI-Funktionen (Canva, Adobe, Microsoft 365, Google Workspace).
  • Analyse- und Reporting-Tools, die Daten auswerten und Empfehlungen formulieren.
  • Übersetzung, Untertitel, Transkription von Kundengesprächen und Workshops.

Kundenbriefings und Vertraulichkeit

Briefings, Strategiepapiere, Zahlen, Produktpläne und Marktdaten Ihrer Kunden sind Geschäftsgeheimnisse, oft mit Geheimhaltungsvereinbarung. Wer sie in einen öffentlichen KI-Dienst ohne Firmenvertrag kopiert, kann gegen diese Vereinbarung verstoßen und die Daten aus der Hand geben.

Regel: Kundenunterlagen nur in Systeme, die die Agentur freigegeben hat und mit denen ein Vertrag mit Vertraulichkeits- und Datenschutzgarantien besteht (keine Nutzung für Training). Manche Kunden schließen KI-Einsatz vertraglich aus oder verlangen Offenlegung. Das steht im Inventar und im Auftrag; im Zweifel fragt man die Projektleitung.

Personenbezogene Daten (Kundenlisten, Interviewaufzeichnungen, Nutzerdaten für Analysen) unterliegen zusätzlich der DSGVO: Für ihre Verarbeitung in einem KI-System braucht die Agentur einen Auftragsverarbeitungsvertrag und eine Rechtsgrundlage. Workshop- oder Interviewaufnahmen werden nur mit Wissen der Beteiligten transkribiert.

Urheberrecht: Wem gehört das Ergebnis?

  • Rein KI-erzeugte Inhalte (ein Bild aus einem Prompt, ein Text ohne wesentliche eigene Gestaltung) sind nach heutigem Stand in der EU in der Regel nicht urheberrechtlich geschützt. Die Agentur kann dem Kunden daran keine exklusiven Rechte übertragen, und Dritte dürfen sie verwenden.
  • Bearbeitete Inhalte, in denen die eigene schöpferische Leistung überwiegt, können geschützt sein. Wer was gemacht hat, wird dokumentiert.
  • Nutzungsbedingungen der Anbieter regeln, was Sie mit Ergebnissen tun dürfen (kommerzielle Nutzung, Kennzeichnung, Verbote). Sie unterscheiden sich je nach Tool und Tarif.
  • Fremde Rechte: KI-Bilder können bekannten Werken, Marken, Logos oder Stilen so nahekommen, dass Rechte Dritter verletzt werden. Vor Veröffentlichung wird geprüft, ob ein Ergebnis eine Marke, ein bekanntes Werk oder eine reale Person abbildet.

Was das für den Kunden heißt: Die Agentur sagt dem Kunden, welche Teile eines Ergebnisses KI-erzeugt sind, wenn das für die Rechte oder die Nutzung eine Rolle spielt (Logo, Kampagnenmotiv, Markenauftritt). Ein Logo aus der Bild-KI ist ein schlechtes Logo, weil es niemandem exklusiv gehört.

Kennzeichnung und Täuschung

Die KI-Verordnung verlangt, dass Chatbots als Maschine erkennbar sind und dass künstlich erzeugte oder veränderte Bilder, Videos und Audios, die echt wirken (Deepfakes), als solche gekennzeichnet werden. Dazu kommt das Wettbewerbsrecht: Kunden und Verbraucher dürfen nicht getäuscht werden.

Für den Alltag:

  • Eine KI-generierte „zufriedene Kundin“ im Testimonial-Format, eine erfundene Bewertung, ein synthetisches Foto als „echte Aufnahme“: nicht ohne Kennzeichnung, und Bewertungen gar nicht.
  • Reale Personen (Kunden, Prominente, Mitarbeitende) werden nicht ohne Einwilligung mit KI dargestellt oder in Stimme und Bild nachgebildet.
  • Texte, die Sie mit KI-Hilfe geschrieben, geprüft und verantwortet haben, brauchen keine Kennzeichnung. Der Kunde bekommt eine ehrliche Antwort, wenn er fragt.

Qualität und Haftung

Erfundene Statistiken, falsche Zitate, Marktzahlen ohne Quelle: Sprachmodelle liefern sie überzeugend. Was in eine Präsentation, eine Studie oder eine Kampagne geht, wird an der Quelle geprüft. Der Kunde bezahlt für Ihre Verantwortung, nicht für den Entwurf.

Fünf Regeln für den Agenturalltag

  1. Kundenbriefings und Daten nur in freigegebene Systeme; Kundenverträge zu KI beachten.
  2. Rein KI-erzeugte Inhalte sind meist nicht schutzfähig: dem Kunden sagen, dokumentieren, kein KI-Logo.
  3. Vor Veröffentlichung auf Marken, bekannte Werke und reale Personen prüfen.
  4. Deepfakes, synthetische Fotos und Chatbots kennzeichnen; keine erfundenen Bewertungen.
  5. Zahlen, Zitate, Studien an der Quelle prüfen, bevor sie zum Kunden gehen.

Beispiele

Social Media: Ein Kampagnenmotiv aus der Bild-KI zeigt einen Sportschuh, der einem bekannten Modell sehr ähnlich sieht. Vor Freigabe wird das Motiv geändert.

Beratung: Der Assistent liefert eine Marktgröße mit Quelle „Statista 2025“. Die Quelle existiert nicht in dieser Form. In der Präsentation steht die geprüfte Zahl mit echter Quelle.

Text: Ein Blogbeitrag für den Kunden entsteht mit KI-Hilfe, wird redigiert und fachlich geprüft. Keine Kennzeichnung nötig; im Vertrag mit dem Kunden steht, dass KI-Werkzeuge eingesetzt werden.

Video: Für einen Erklärfilm soll die Stimme des Geschäftsführers geklont werden. Nur mit seiner schriftlichen Einwilligung, und der Film sagt, dass die Stimme synthetisch ist.

Was Sie mitnehmen

  • Vertraulichkeit gilt auch gegenüber KI-Diensten; Kundenverträge zu KI beachten.
  • KI-Ergebnisse sind oft nicht schutzfähig und können fremde Rechte verletzen: prüfen und offenlegen.
  • Kennzeichnen, wo Täuschung droht; Zahlen und Zitate an der Quelle prüfen.
Stand: 2026-09-10
So kommt dieses Modul in Ihre Schulung.

Beim Einrichten des Betriebs geben Sie Ihre Branche an. Verbrieft hängt dieses Modul an die Grundschulung (20 Minuten, fünf Module) an, etwa 5 Minuten mehr, und vermerkt es auf dem Zertifikat und im Schulungsregister. Kurs und Zertifikat für eine Person sind kostenlos.